Wenn ein Schweizer Qualitätsblatt eine eigene iPad App lanciert, dann sind die Erwartungen hoch. Am ersten Tag nach der Lancierung sind die User der neuen Tages Anzeiger iPad-App noch geteilter Meinung. Aus meiner Sicht geglückt ist allerdings die Art der Kommunikation.
Wer sich täglich im Social Web bewegt, konnte die neue Tagi-App nicht verpassen. Auf Google+ werden erste Rezensionen herumgereicht, so zum Beispiel von Medienblogger Konrad Weber ("mit viel Bedacht und Kreativität gebaut"). Auf Twitter erfährt man von ersten App-Erlebnissen der User. Und diese sind nicht nur positiv. Denis Nordmann kann auf der App keinen Mehrwert zur Tagi-Webseite erkennen. Und Florian Imbach ärgert sich über defekte Links.
Punkto Produkte-Kommunikation hat der Tagi aber keine Kosten und kaum Aufwand geschäut ein cleveres, kleines Paket von Videos zu produzieren, die der Lancierung viral unter die Arme greift.
1. Das Start-Video - die ausführliche Vorstellung der Funktionen
2. Das "offizielle" kurze und Werbevideo
3. Drei Statements der Macher
4. Und das hübsche Video mit viralem Potential (Steve Jobs über die App....)
Betrachtet man die Videovisits, kann rasch gesagt werden, dass dem Tagi die gewünschte Online-Präsenz gelingt.
In ein paar wenigen Minuten erfahre ich als User alles, was ich über die App wissen will und bekomme erst noch einen Blick "Hinter die Kulissen".
Früher verschwanden Verlierer-Mannschaften mit gesenktem Haupt in der Kabine. Heute wollen die Fans antworten auf Niederlagen, gleich nach Spielschluss, auf dem Feld. Und die Mannschaften stellen sich immer häufiger dem unangenehmen Dialog.
Ich erinnere mich an Fussball-Zeiten da gab es nach dem Schlusspfiff nur zwei Szenarien: Entweder siegten die Spieler und feierten anschliessend mit den Fans in der Kurve. Oder die Mannschaft verlor, man lag enttäuscht auf dem Rasen oder verduftete möglichst rasch im Kabinengang.
Sforza schont seine Jungs nicht Immer häufiger ist aber zu beobachten, dass sich geschlagene Mannschaften ihren wütenden Fans stellen, ihnen trotz Niederlage für die Unterstützung danken, oder aber unangenehme Fragen gleich selbst beantworten. GC-Trainer Ciriaco Sforza hat in der Schweizer Super League diese Kultur mitgeprägt. Verlieren seine Spieler müssen sie zu den Fans. Das geht so weit, dass Sforza seinen Spieler Davide Calla vom Radiointerview im Kabinengang wegzehrt und ihn zurück aufs Feld schickt.
Zwei aktuelle Beispiele aus der Schweizer Fussball-Meisterschaft (beide 20. April 2011):
Nähe zum Publikum Der Effekt ist klar; die Mannschaft wird greifbar, die Beziehung zu den eigenen Fans inniger. Gutverdienende Fussball-Profis haben so die Chance Nähe zum Publikum zu beweisen. Mit welchem Langzeiteffekt ist unklar. Fans schreiben in Fussball-Foren, sie hätten so zumindest den Eindruck, ernst genommen zu werden.
Beim FC St.Gallen besuchten im März einige hundert Fans eine Trainingseinheit vor einem wichtigen Spiel und feuerten ihre Mannschaft an. Zu diesem Zeitpunkt war der Klub Letzter der Tabelle. Der Klub erlaubte ihren Besuch im Stadion. Die Fans waren trotz Niederlagen-Serie zufrieden.
"Spieler entschuldigen sich" als Google-Anfrage legt über 1 Million Resultate und damit unzähle Beispiele offen, bei denen sich Mannschaften proaktiv bei ihren Fans entschuldigen. Was ist eure Meinung: Sollen sich Spieler bei Fans persönlich entschuldigen, oder führt das zu weit?
Der Brite Alex Tew machte sich vor sechs Jahren mit seiner "Million Dollar Homepage" einen Namen. Jetzt fällt er mit weniger lukrativen aber nicht minder originellen Web-Ideen auf. Eine davon verlangt viel Geduld von uns, eine andere macht Facebook zum Gesichtsbuch.
Seine neuste Webseite heisst Do Nothing for 2 Minutes und verlangt von uns Usern nichts mehr, als während zwei Minuten nichts zu tun. Die Maus darf nicht bewegt, die Tastatur nicht benutzt werden. Dabei schaut man sich auf dem Bildschirm einen Sonnenuntergang an und lauscht dem Rauschen der Wellen. Damit will uns Alex Tew bei der Arbeit zum Entspannen bewegen. Ich bin nach 7 Sekunden gescheitert. Wollte während dem Wellenrauschen kurz weitersurfen. Erwischt. Keine Idee, die sich zu Geld machen lässt, aber die Seite ist dennoch ein Renner.
Reich dank Werbung Seinen grossen Coup landete der damalige Student vor sechs Jahren mit der Seite The Million Dollar Homepage. Auf dieser einst leeren Webseite verkaufte er jeden Pixel und damit Werbefläche. Innerst kürzester Zeit war die ganze Fläche verkauft, Alex Tew um eine Million reicher. Eine bescheuert gute Idee, oder?! Welcher Web-Entwickler träumt nicht von genau diesem nächsten genialen Einfall, auf den die Welt gewartet hat und der möglichst viel Geld einbringt. Nun, Ideen wie Facebook haben einen leicht höheren Nutzen für die Allgemeinheit, wie eine Webseite mit hässlichen Sponsoren-Emblems.
Facebook auf Papier Alex Tew, heute 27 Jahre alt, scheint ein gutes Händchen für ausgefallene Ideen zu haben. Zwar kam er mit seiner eigenen Firma noch nicht auf einen grünen Zweig, aber auch seine aktuelle Idee beweist Fantasie. Und zwar vergibt er Platz in einem geplanten Buch namens: One Million People. Wie der Name schon sagt, sollen darin eine Million Menschen mit ihren Fotos vorkommen und so eine Art Facebook auf Papier entstehen. Ich muss zugeben - eine ziemlich clevere Idee. Niemand braucht dieses Buch wirklich, aber auf dem globalen Spielplatz namens Web finden sich genügend interessierte.
Und auch hier mag sich so mancher Webbie fragen: Warum bin ich nicht selbst drauf gekommen?
Der Titel mag heroisierend klingen, doch die Geschichte des Mr. Williams zeigt einmal mehr die unglaubliche Kraft des Web 2.0. Ein Mann schaffte es innert drei Tagen von der Strasse ins Rampenlicht und in die Medienwelt. Die Zutaten für dieses Märchen: Eine wundervolle Stimme, 12 Millionen Youtube-Klicks, einige Radio- und TV-Stationen.
Mit einem Youtube-Video hat alles in der ersten Januarwoche 2011 angefangen. Ein Reporter filmte Mr. Williams am Strassenrand, der mit seiner tollen Stimme die Leute verzückt und damit etwas Geld zusammenkriegt um zu überleben. Drogen und Alkohol hatten sein Leben ruiniert, die letzten zwei Jahre sei er aber sauber gewesen und hoffe jetzt auf einen Job beim Radio oder ähnlich.
Das Video machte auf Youtube die Runde und zwar rasend schnell. In nur drei Tagen schauten sich weltweit 12 Millionen Menschen das Video an. Eine halbe Millionen Menschen teilten das Video auf Facebook mit ihren Freunden. Mehrere Radio- und TV-Station wurden entsprechend darauf aufmerksam. Und man bot dem Mann mit der grossen Stimme Jobs an.
Bei täglich 70'000 neuen Videos auf Youtube ist davon auszugehen, dass noch so manche berührende Geschichte die breite Öffentlichkeit nie erreicht. Mr.Williams hats geschafft.
Wer heute den Blick am Abend liest, im Sternzeichen Fisch geboren ist und Horoskope mag, geht für einmal leer aus.
Greenpeace hat das Fische-Horoskop geklaut und für folgenden Werbetext verwendet: "Millionen Fische verenden im Ölteppich. Schwimmen Sie in die andere Richtung und setzen Sie auf erneuerbare Energien."
Applaus für die PR-Abteilung von Greenpeace. Ich finde, da hat jemand einen kreativen Werbeansatz gefunden, der überrascht.
Die Verweigerer von Facebook, Twitter und Co. gab es von Anfang an. Doch es mehren sich die Aussteiger, die Müden und die Gelangweilten. Gedanken über das mögliche Ende eines Booms.
Wann habe ich zum letzten Mal mein Myspace-Profil aktualisiert, wann zum letzten Mal XING aktiv für Geschäftliches genutzt, mich auf Last.fm mit anderen Musikliebhabern ausgetauscht? Lange ist es her. Trotzdem sehe ich keinen Grund eines dieser Profile zu löschen. Man will ja überall "ein bisschen" präsent sein. Modernes Ego-Marketing verlangt schliesslich auch im Web eine gewisse Breite. Doch nach einigen Jahren der Nutzung hinterfrage ich diese Strategie kritisch und stelle fest; wirklich genützt hat mir keine dieser Plattformen. Der spannende Zeitvertreib war rückblickend wohl eher ein Zeitkiller. Ich spüre eine ähnliche Leere wie damals als Teenager nach stundenlangem Spielen von Computer-Games. Eine kurze Recherche im Internet zeigt, Social Web Müdigkeit ist ein Thema mit zunehmender Brisanz.
Digg.com hat 2010 bereits 10 Millionen Nutzer verloren
Eine Facebook-Gruppe rief am 31.Mai 2010 zum Löschen des eigenen Accounts auf. 34'000 Nutzer folgten dem Aufruf am "Quit Facebook Day". Bei insgesamt 450 Millionen Facebook-Nutzern sind das 0,0076 Prozent. Mit anderen Worten: Der «Quit Facebook Day» interessierte kaum jemanden. Dennoch könnte diese Aktion ein Indikator sein, für ein zunehmendes Hintersinnen vieler Social Web Nutzer.
Seit Anfang Jahr hat die Webseite Digg.com über 10 Millionen Nutzer verloren. Der 2004 gegründete Dienst gehörte lange zu den Stars der Social Web Szene. Indem Nutzer Links auf Nachrichtenartikel anderer Webseiten sammeln und bewerten, entsteht eine nutzergenerierte Online-Zeitung. Die Nutzerbasis ist aber offenbar so gross geworden, dass die Site zu unübersichtlich geworden ist. Zudem bewerten immer weniger Nutzer die einzelnen Artikel. Die Sonntags-Zeitung schreibt dazu: "Digg.com könnte die erste grosse Social-Media-Plattform sein, die an der sogenannten Social-Media-Fatigue stirbt."
"Sozialmedienmüdigkeit" - bald ein Trendwort? Vielleicht sollte man aber nicht von wirklicher Müdigkeit sprechen, sondern mehr von Regression oder Zurückfahren. Damit wäre diese Entwicklung ganz einfach Normalität, wie wir sie von jedem Produktzyklus kennen.
Facebook: "Schätzli ich liebe dich!"
Mein Bruder meinte neulich, dank Facebook wüsste er genau wieviele Kollegen er habe. Mit 22 Jahren ist er ein sogenannter "Digital Native", was bedeutet, dass er mit Handy, Computer, Youtube, Facebook und Co aufgewachsen ist. Er kennt kaum Leute, mit denen er nicht auch via sozialem Netzwerk verbunden ist. Bereits während dem Urlaub werden "Freunde" mit Fotos, Videos und Mitteilungen auf dem Laufenden gehalten. Selbst Liebesbekennungen an die Freundin sind hier kein Tabu. Eine Generation überholt den Begriff Privatsphäre - oder kennt ihn gar nicht mehr.
Auf der gleichen Plattform versuchen sich immer mehr Firmen in Szene zu setzen. Es ist für die moderne Unternehmung zur Pflicht geworden, Kunden auch via Facebook anzusprechen, Fans (oder neu: Likers) zu sammeln, Marketing und Customer Relationship Management auch viral zu betreiben. Mit anderen Worten: Social Web ist längst kein digitaler Trend mehr, sondern akzeptierter und etablierter Mainstream.
Social Web falsch genutzt?
Doch genau dieser Mainstream, diese tägliche Beschäftigung ermüdet zunehmend. Die Krux an Facebook ist ja folgende: Wenn ich mich einige Tage nicht einschalte entsteht ein Gefühl von "weg vom Fenster" oder den Anschluss zu verpassen. Blogger Colin Walker schrieb dazu: "Facebook macht süchtig, weil man ständig involviert bleiben muss, um den Überblick nicht zu verlieren und Teil der andauernden Konversation zu sein." Er stellt deshalb die Frage in den Raum, ob wir vielleicht das Social Web in der heutigen Form falsch nutzen.
Leben die Menschen im Internet oder werden sie von den Online-Diensten gelebt? Diese Frage stellte sich Sevenload-Gründer Ibrahim Evsan und kam zu folgender Erkenntnis: Wir müssen lernen im Digitalen zu leben. "Wenn ich anfangen würde, die Informationen nach gelernter Art und Weise der analogen Welt zu bewerten, würde ich zu keinem Ergebnis kommen, weil die Informationsdichte in der digitalen Welt wesentlich höher ist. Kurz: Die Mechanismen der realen Welt greifen nicht wirklich in der digitalen Welt, wir müssen unser Verhalten modifizieren, es bewusst anpassen, um nicht in der Informationsflut unterzugehen".
Im positiven Fall heisst das; die Sozialmedienmüdigkeit würde nicht das Ende der vernetzten Welt bedeuten, sondern vielmehr ein bewusster Umgang mit ihr. Eine Art Phase der produktiven Nutzung.
"Freunde" aus der Liste streichen
Doch was heisst das für mich und meinen täglichen Drang, einen Teil meines Lebens im Social Web zu führen? Wird mir die Veränderung der Nutzung aufgezwungen, oder muss ich selbst zur intelligenten Einsicht gelangen?
Ich wage eine These: Der Hype ist vorbei. Wir haben im Social Web alles ausprobiert, was es auszuprobieren gibt. Wir haben Jobs gefunden, Partner kennen gelernt, die Meinung gesagt, mit Intimitäten brüskiert, mit Mitteilungen gelangweilt. Jetzt stellen wir plötzlich fest, dass unser Leben trotz hunderten von Freunden nicht reicher und nicht spannender ist als zuvor. Höchstens aufwendiger. Die Nutzerzahlen werden deshalb nicht mehr steigen sondern stagnieren oder gar leicht zurückgehen. Zahlreiche Dienste werden vom Markt verschwinden. Wir werden "Freunde" aus unseren Listen streichen um mit den wirklich wichtigen wieder intensiver in Kontakt zu sein. Statt 20 Accounts werden wir bald nur noch einen haben. Eine digitale Identität, die wir Plattform-übergreifend bewirtschaften. Das wird unser Leben im Social Web wesentlich vereinfachen. Was wir heute als Social Web kennen wird sich weiterentwickeln (müssen). Denn die "early adapters" und Tech-Evangelisten werden nur dann ihrem Ruf gerecht, wenn sie weiterziehen und Web-Neuland für sich und uns entdecken.
Morgen schon lachen wir vielleicht über Twitter, Facebook und Co. Aber auch ohne Dauergezwitscher ist das Konzept vom Dialog und der Vernetzung von Dauer. Um es plakativ zu sagen wird sich Klasse gegenüber der Masse durchsetzen müssen. Und vielleicht setzen sich auch Qualitäten des "real life" wieder vermehrt in Szene.
Tausche Lüftung gegen Frischluft
Die Bloggerin Sarah Hintampa schreibt im Mai 2010: "Ich fühle mich nur noch leer. Dabei bin ich rund um die Uhr von neuem Inhalt umgeben." Bei ihr würden sich die Tage häufen, wo sie keine Lust verspürt, einen Post zu schreiben, Online-Konversationen zu führen, irgendwelche Mitteilungen zu lesen.
Heute ist so ein Tag. Heute möchte ich den grellen Bildschirm mit Sonnenstrahlen, die Laptop-Lüftung mit frischer Luft tauschen - und schalte drum aus. Erstmal nur für heute. Veränderung braucht schliesslich Zeit.
Coop hat Obstgetränke - sogenannte Smoothies im Angebot. Die sollen besonders ökologisch und umweltgerecht sein. Das geht soweit, dass Coop bei diesen Getränken sogar vorübergehend auf Bananen verzichtet, weil diese auf dem Luftweg transportiert werden sollen. Diesen Umstand deklariet Coop auf der Flasche in blumigen Worten.
Die Produkte-Linie Innocent verkauft sich umweltbewusst. So wirbt Coop damit, dass diese Getränke 100 Prozent natürlich sind, "faires" Obst enthalten, nachhaltig verpackt sind, ressourcenschonend transportiert werden und der Erlös fair verteilt wird. (Quelle: http://www.innocentsmoothies.ch/)
Nun muss offenbar eine Situation eingetreten sein, die Coop genötigt hätte, Bananen auf dem Luftweg zu importieren, was wiederum zum Konflikt mit den eigenen Werten geführt hätte. Daher wurde konsequenterweise vorübergehend auf die Zutat Banane verzichtet. Die Marketing-Abteilung reagierte auf diesen Umstand und passte den Text auf der Verpackung wie folgt an.
"Die Bananen tanzen uns auf der Nase herum. Sie haben eine Bananenrepublik gegründet und schwere Handelsbeschränkungen erlassen. Bananen kann nur noch bekommen, wer eine Ausfuhr mit Erster-Klasse-Tickets sicherstellt und während des Fluges Bananen-Spilt reicht. Da wir unser Obst niemals mit dem Flugzeug transportieren, können wir den Forderungen nicht nachgeben. Wir haben Unterhändler nach Bananistan geschickt und müssen bis zur Klärung dieser Angelegenheit auf Bananen in diesem Rezept verzichten."
Anrufe bei Behörden und Dienstleistern gehören bei den wenigsten Menschen zur Kategorie der beliebten Beschäftigungen. Doch manchmal passieren bei so einem Anruf kleine Wunder.
Es war eines dieser Pflicht-Telefonate, die ich gerne tagelang vor mir her schiebe. Doch heute musste es sein: Ich rufe also bei meiner Krankenkasse an, will eine Auskunft. Wie meist werde ich von einer dieser geschliffenen und dennoch unsympathischen Call-Center-Stimmen begrüsst. Einige Nummerneingaben später das Freizeichen.
Negative Gedanken schon während dem Warten: Gleich wird wieder jemand abnehmen, dessen Name ich nicht verstehe, der mein Problem nicht versteht und dem irgendwelche Angaben von mir fehlen. Doch heute sollte alles anders werden.
Vom goldenen CRM-Pfeil getroffen Nach viermal Piepston nimmt am anderen Ende eine Frau ab. Aus Gründen des Persönlichkeits-Schutzes wollen wir die Frau mal unspektakulär Habermacher taufen. Frau Habermacher begrüsst mich in klaren und verständlichen Worten und klingt dabei warmherzig und fröhlich, als wäre ich der lang erwartete erste Kunde. Meine Laune hebt sich.
Ich schildere meine Sorge, Frau Habermacher tippt meinen Namen ins System ein und verspricht mir gewünschtes Formular so rasch wie möglich zu schicken. So weit so gut - meine Krankenkasse macht ihren Job.
Ich schwöre ewige Treue Doch dann zieht Frau Habermacher den goldenen Pfeil des CRM (Customer Relationship Management) aus dem Köcher und sagt: "Herr Oswald, wir möchten ihnen bei dieser Gelegenheit einfach mal herzlich danken, dass sie seit vielen Jahren Kunde bei uns sind. Wir freuen uns sehr über ihr Vertrauen."
Ich sage erstaunt danke, verabschiede mich, lege den Hörer auf - und schwöre mir, für den Rest meines Lebens dieser Krankenkasse treu zu bleiben.
Niemand macht, was alle wissen Klar, wir wissen alle, dass clevere Firmen mit engem Kundenkontakt längst ausgefeilte CRM-Systeme entwickelt haben. Frau Habermacher hat also nicht mehr gemacht, als auf ihrer "To do"-Liste stand. Aber meine Krankenkasse ist die erste Institution, dir mir für das regelmässige Einzahlen von viel Geld Danke sagt. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit würde man meinen. Und dennoch die grosse Ausnahme im Alltag.
Ps: Dieser Blog hat die Absicht promofrei zu sein. Allerdings mache ich in diesem Fall gerne eine Ausnahme :-)
Für den Armee-Kadertag 2010 hat sich Bundesrat Ueli Maurer etwas besonderes einfallen lassen. Rund 1000 Kaderleute des VBS trafen sich frühmorgens auf offenem Feld. Ueli Maurer selbst bezeichnete diese Idee als "hirnrissig und verrückt", allerdings seien neue frische Ideen gefragt, um die Schweizer Armee voranzubringen. Bei seiner Rede zeigte sich Maurer modisch interessant. Die Jacke von Nike, den Pullover von Adidas. Für den Stil-Experten ein unsägliches Marken-Chaos. Für den Modemuffel ein Zeichen bundesrätlicher Moderne.
Dass dann auch noch gemeinsam geturnt wurde um warm zu bleiben, verdeutlicht die sportliche Einstellung von Ueli Maurer...
«US-Talkmaster David Letterman hatte Sex mit Angestellten des TV-Senders». Diese Meldung sorgte vergangene Woche für Wirbel. Nun hat sich Letterman in seiner Late-Night-Show bei den Angestellten, vorallem aber bei seiner Frau für sein Verhalten entschuldigt.
Er habe sie durch sein Verhalten «furchtbar verletzt», sagte der 62-Jährige. Zugleich versprach er, seine Beziehung zu seiner Frau, Regina Lasko, wieder in Ordnung zu bringen. Die beiden sind seit März verheiratet. Das Paar ist seit 1986 zusammen und hat einen im November 2003 geborenen Sohn. Nach Angaben von Lettermans Sprechers Tom Keaney lagen alle Affären vor der Hochzeit mit Lasko.
Die Show am Montag (5.Oktober 2009) war die erste, seitdem er die Affären am Donnerstag vor laufender Kamera gestanden hatte. Letterman wurde von einem anderen Angestellten seines Senders CBS auf Schweigegeld erpresst und trat schliesslich die Flucht nach vorne an.
So weit die Fakten. Aus einer Perspektive der Kommunikation betrachtet, ist die öffentliche Entschuldigung wohl eine der schwierigsten Disziplinen. Die erwartet typische Reaktion, einer in der Öffentlichkeit stehenden Person, wäre wohl Rückzug gewesen. David Letterman wählte jedoch die Offensiv-Strategie. Vielleicht auch deshalb, weil er das Thema in seiner TV-Show «Late Show» nicht verschweigen konnte, vielleicht auch weil diese Strategie seinem Wesen entspricht.
Ehrlich gemeint oder alles nur Show?
Dazu braucht es einerseits Mut, trotz Affäre und damit verbundenen Negativ-Schlagzeilen wieder ins Rampenlicht zurückzukehren. Und es braucht ein starkes Rückgrat, sich verbal und bei laufenden Kameras zu entschuldigen.
Oder war das alles bloss inszeniert? Ist Letterman bloss ausgebuffter Showstar, Entertainer, Medienprofi und es fällt ihm entsprechend leicht, rührende Worte zu finden und am Ende als Sieger dazustehen. Schliesslich gelang es David Letterman sogar Lacher in seine Entschuldigung einzubauen. Das Publikum war am Schluss hörbar auf der Seite des Talkmasters. Aber empfandLetterman echte Reue oder war sein Auftritt bloss Beispiel unerschütterlicher Professionalität? Sicher ist: Die Letterman-Affäre hat bei CBS für hohe TV-Quoten gesorgt.
Ich gewinne dieser Aktion aber so oder so eine positive Erkenntnis ab. Ob kaltblütiger Medienprofi oder nicht: Die öffentliche Entschuldigung von David Letterman ist ein gutes Beispiel dafür, wie man sich durch offensive Kommunikation auch aus einer misslichen Lage befreien kann, ohne dabei sein Gesicht zu verlieren.
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